Maske fallenlassen

Masken – ein Thema, das mich seit Jahren begleitet und meinen Alltag vorwiegend beherrscht. Unabhängig von Corona. Es ist die Maske, die wir Tag aus, Tag ein aufsetzen und problemlos tragen. Wie oft lachen wir, obwohl wir weinen möchten? Wie oft sagen wir «Ja», obwohl wir ein «Nein» spüren? Zu oft.


Mein Leben war jahrelang geprägt von einem grossen, fetten Grinsen, das mein ganzes Gesicht überstrahlt. Ja... Die, die mich kennen, würden mich als echten Sonnenschein bezeichnen. Und doch war das Lachen sehr lange mein Schutzmechanismus. Wenn man so strahlt, wird man auch nicht gefragt, ob es einem wirklich gut geht. Es wird davon ausgegangen. Somit konnte ich den Schmerz gut überdecken.


Genau deshalb ist das Tragen einer Maske ein solch grosses Problem. Warum tragen wir sie überhaupt? Wir verdecken unsere Ängste, unsere Gefühle, unsere Sorgen. Nur damit sich das Zugehörigkeitsgefühl einstellt und wir gemocht werden. Abgelehnt zu werden, ist unsere grosse Angst. Es kommt immer eine Reaktion zurück, wenn wir ehrlich handeln. Das Risiko besteht dann, dass das Gegenüber eine andere Meinung/Ansicht hat. Diese Ablehnung fürchten wir.


Bei mir war dies jahrelang so. Die Schauspielerei kam ja nicht von ungefähr. Ich habe es geliebt, Menschen zu beobachten und ich war sehr gut darin, eine Maske zu tragen. Doch wenn ich Freiheit heute beschreiben müsste, ist es die Tatsache, dass ich die Maske fallenlassen konnte. Ich kann sein, wer ich bin, fühlen, was ich fühle, machen, was ich möchte.


Wir brauchen die Maske nämlich gar nicht. Klar... Ab und zu ist sie sinnvoll und effizient. Da dürfen wir auch die Dankbarkeit spüren für den Schutz, die sie uns bietet. Wichtig ist, dass wir die Maske bedienen und nicht umgekehrt. Wenn wir wahrhaftige Liebe erfahren möchten, müssen und dürfen wir uns wahrhaftig zeigen. Wenn wir unsere Berufung leben möchten, müssen wir unsere Authentizität zeigen und leben.


Es gibt unterschiedliche Arten von Masken, die wir tragen:


- Maske, die die gesamte Aussenwelt sieht, die das Aussenbild darstellt

- Maske innerhalb der Familie, Partnerschaft, Freundschaft

- Maske mit dir alleine


Es sind drei Gesichter. Oftmals drei vollkommen unterschiedliche, selten ein einziges. Ich möchte mich mehr und mehr von diesen drei Masken lösen und überall die Frau sein, die ich bin. Ohne Maske.


Auch in Bezug auf Männer. Viele Männer kommen uns Frauen zu nahe, weil wir uns nicht abgrenzen können. Oder auch umgekehrt. Beobachte dich, deine Freundinnen und fremde Frauen wenn Männer mit ihnen flirten. Spielen wir mit? Kichern und lachen wir, obwohl es uns sehr unangenehm ist? Welche Maske ziehe ich innert kürzester Zeit an, damit ich nicht auffalle oder dem Gegenüber ein schlechtes Gefühl gebe?


Ich lade euch zu einer neuen Sichtweise ein: Sagen, was wir fühlen. Ehrlich. Wir können erstens stolz sein, denn dies braucht viel Mut. Und zweitens, kann es gerade in Beziehungsfragen direkt passen. Match! Und wenn es dann doch nicht passt, hast du deine Antwort auch und kannst deinen Weg weitergehen. Manche Dinge müssen einfach nicht sein. Es wäre doch eine Zeitverschwendung monatelang an Etwas herumzustudieren, obwohl man nach 5 Dates schon Tacheles reden könnte.


Lasst uns Pioniere für Verwundbarkeit und Echtheit sein. Das ist doch das, wonach wir uns sehnen. Tiefgründige, echte Gespräche. Sagen wir, wann wir traurig sind, hören wir auf zu lachen, wenn wir etwas nicht lustig finden, hören wir auf, uns selbst zu betrügen und zu belügen. Denn die einzige Person, die leiden wird, sind wir selbst. Unser Herz fühlt diesen Schmerz.


Wenn wir uns verwundbar zeigen, lernen wir auch andere auf diese wunderbare Art und Weise kennen. Daraus ergeben sich wunderschöne, unbezahlbare Beziehungen.



Fühlt euch umarmt,

Eure Antonell

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